Sonntag, 30. Juni 2013

Zimmer

Zimmer

So jetzt reicht es! Seit zwölf Tagen fordere ich meinen Sohn David auf, sein Zimmer aufzuräumen.
Seit zwölf Tagen höre ich „Ja, gleich!“ Ich weiß nicht, was gleich in der heutigen Jugendsprache bedeutet – offensichtlich nicht das, was ich darunter verstehe.
Bei mir bedeutet gleich: -sobald ich diese wichtige Tätigkeit
beendet habe
oder auch - in fünf Minuten
meinetwegen - in einer halben Stunde
Bei meinen Sohn bedeutet gleich: ich warte so lange bis du dieses Gespräch vergessen hast, und dann brauch ich das eh nicht mehr machen.
Dieses gleich dauerte mir diese Mal eindeutig zu lange, und zudem habe ich unser Gespräch ausnahmsweise einmal nicht vergessen.
Nach zwölfeinhalb Tagen habe ich also David noch mal mit der unmöglichen Bitte konfrontiert doch endlich unser gesamtes Geschirr, das sich auf seinem Schreibtisch versammelt hat, in die Spülmaschine zu räumen, damit ich nicht schon wieder Pappteller kaufen muss. Zudem fände ich es echt schick, wenn sich seine Unterhosen nicht durch den Türschlitz in den Flur schieben würden.
Seine Antwort: “Aufräumen wird total überbewertet!“
Jetzt ist es nicht so, dass er mit überaus wichtigen Dingen beschäftigt wäre, die ihn vom Aufräumen abhalten, wie zum Beispiel mit einem freiwilligen Referat mit dem Thema „ Welche Bedeutung hat die Quantenphysik in unserem heutigen Twitter-Alltag“ oder mit Krafttraining um für die nächsten Jugendwettkämpfe der europäischen Leichtathleten fit zu sein oder mit der Bewerbung um einen Platz für ein soziales Auslandsjahr, oder auch nur mit den täglichen Hausaufgaben.
Wenn dem so wäre, würde ich nicht wegen so profaner Dinge, wie Aufräumen, rumquengeln.
Dem ist aber nicht so, und deswegen quengel ich!
Was allerdings nichts nutzt!
Jetzt habe ich in einer Illustrierten einen Artikel mit der Überschrift „Pubertät – was jetzt? Hilfe zur Selbsthilfe!“ gelesen man soll in seinen erzieherischen Maßnahmen kreativ sein.
Also mache ich mir noch in gleicher, schlafloser Nacht Gedanken wie ich dem Zimmerproblem beikommen kann. Am Morgen stehe ich zwar übernächtigt, aber mit genialer Idee auf.
Beim Frühstück verkünde ich meinem Nachwuchs:“ Du hast recht – mit Aufräumen macht man sich nur unnötig das Leben schwer! Ich werde das jetzt auch mal lassen. Du hast mir gezeigt, dass es ja durchaus wichtigere Dinge im Leben gibt, wie zum Beispiel Fernseh-Gucken, Playstation spielen oder SMSe schreiben. Also lassen wir das jetzt mal mit dem Aufräumen.“
Zunächst schaut mich David argwöhnisch an. Doch dann erwidert er: “Sag ich doch!“ und wendet sich wieder seinem Nutella-Brot zu.

Das neugekaufte Frühstücksgeschirr , sowie Brot, Butter und Aufstrich bleiben auf dem Tisch. Im Bad lasse ich meinen Schlafanzug auf dem Boden neben der Heizung liegen. Da mir das nicht auffällig genug erscheint, hole ich noch aus dem Schrank zwei frisch gewaschene Sleepshirts und einen Bademantel und lege sie dazu.
Als ich abends von der Arbeit nach Hause komme fällt mein Blick auf den unordentlichen Küchentisch und reflexartig nehme ich die Teller um sie in die Spülmaschine zu räumen. Da fällt mir meine ach so geniale, selbsterfundene Erziehungsmethode ein, und ich stelle alles wieder auf den Tisch.
Da David schon seit mehreren Stunden zu Hause ist (wie ich anhand der Temperatur des Fernsehers feststellen kann) und er trotz des chaotischen Aussehens unserer Küche völlig unbeeindruckt ist, greife ich zu drastischeren Maßnahmen: ich stelle zum Frühstücksgedönse noch unsere gesamten Backbleche, eine erlesene Auswahl der Einkäufe, die ich nach der Arbeit getätigt habe, sowie einiges an schmutzigen Geschirr aus der Spülmaschine. Außerdem platziere ich im Flur sieben Paar meiner Schuhe und Stiefel.
Zum Abendessen kann ich leider noch keine Erziehungserfolge vermelden, da mein Sohn mir verkündet er habe spät und sehr viel zu Mittag gegessen, so dass er keinen Hunger mehr verspüre.
Noch nicht mal die Anhäufung von Schuhen stört ihn, da er sich an diesem Abend nicht mehr großartig aus seiner Schlafhöhle rausbewegt.
Mir selbst fällt es verdammt schwer das selbstgeschaffene Chaos auszuhalten. Ich nehme mein Abendessen im Wohnzimmer ein, das bislang weitestgehend von meinen pädagogischen Maßnahmen verschont geblieben ist.
In den nächsten Tagen wird mein Nervenkostüm auf eine harte Probe gestellt. Ich mach immer öfters Überstunden um ja nicht in diese häusliche Chaos zurückzumüssen. Durch die Wohnung gehe ich nur noch mit geschlossenen Augen, und falle deswegen oft genug über Schuhe, Pfannen oder Bücher.
Während ich nur noch dahinsieche, scheint David aufzublühen.
Er genießt es ganz offensichtlich, dass ich ihn nicht mehr mit Schimpftiraden wegen seiner Unordentlichkeit überhäufe und auch seine Freunde fühlen sich immer wohler bei uns. Unsere Wohnung scheint sich zu einer angemessenen Umgebung für pubertierende Heranwachsende entwickeln.
Als ich kurz davor bin für mich ein 1-Zimmer-Appartement anzumieten, fällt mir ein, dass ich für den nächsten Abend einige Bekannte zum Essen eingeladen hatte.
Da war Schluss mit meiner kreativen Erziehung. Ich schnappte mir Gummihandschuhe und Desinfektionsspray und machte mich an die Arbeit. Während ich stundenlang vor mich hinarbeitete machte ich mir leise Hoffnungen, dass mein Sohn den Unterschied bemerken und sich eingestehen würde, dass eine mit "dem General" gesäuberte Wohnstätte doch wesentlich angenehmer ist.
In dem Moment, da ich fertig wurde, kam David nach Hause, sah was ich angerichtet hatte, runzelte die Stirn, grinste und verschwand in sein Zimmer (das ich im übrigen nicht bearbeitet hatte). Da ich neugierig war, was diese Reaktion zu bedeuten hatte, positionierte ich mich in die Nähe seiner Zimmertür.
Er telefonierte mit seinem besten Kumpel.
"Alter morgen bringste mir die fünf Euro Wetteinsatz mit. Als ich nach Hause kam war alles weg. Ich hab Dir doch gesagt, dass ich das Battle gegen meine Mutter gewinn...."
In dem Moment wusste ich, dass ich die letzten Tage meine Nerven völlig umsonst strapaziert hatte. Mir blieb nur noch eins zu tun: ich nahm die Illustrierte mit den tollen Erziehungstipps und brachte Sie zum Altpapier!

Samstag, 22. Juni 2013

Socken

Seine Finger glitten über ihren Hals. Angenehme Schauer liefen ihr den Rücken hinunter. Wie zufällig knöpften seine Hände die Knöpfe ihrer Bluse auf, während sein Mund Georginas Gesicht mit Küssen bedeckte.
Langsam gleitet seine Hand vom Schlüsselbein zum Dekolleté und weiter zwischen BH und Haut, Sie erforschen vorsichtig aber fordernd Ihre Brust, umfassen sie. Die Fingerspitzen finden ihre Brustwarze. Er umspielt sie mit dem Fingern bis sie sich aufrichtet. Er nimmt sie zwischen Daumen und Zeigefinger und drückt sie – zunächst leicht und zärtlich, dann kräftig und immer fester, bis sie ein leichter Schmerz durchfährt, der Georgina vor Lust aufschreien lässt. Sie spürt wie sie feucht wird und drängt sich ihm reflexartig entgegen. Wie automatisch finden ihre Hände die Wölbung die sich deutlich auf seiner Jeans abzeichnet. Ungeduldig zieht sie den Reißverschluss seiner Hose hinunter, ihre Hand gleitet in die Öffnung seines Hosenschlitzes. Fasziniert lauscht Sie auf sein Stöhnen – hört seine Worte:…


„Wieso sind schon wieder keine sauberen Socken im Schrank? Wäschst Du eigentlich überhaupt nicht mehr?“
Schnell schiebe ich eine Zeitschrift vor den Buchdeckel des Buches indem ich gerade lese. Ich will mich ja nicht rechtfertigen müssen, dass ausgerechnet ich das Buch lese, dass wegen seines offensiv erotischen Themas zurzeit in aller Munde und seltsamerweise auch auf der Bestsellerliste ist, obwohl es kein Mensch gekauft hat (außer mir natürlich).
Noch zu sehr im Buchgeschehen, fällt mir keine adäquate Erwiderung ein.
„Es kann doch nicht sein, dass von meinen zwanzig Paar Socken nicht ein einziges sauber ist, oder?“
So langsam bringen mich die Worte zurück ins Hier und Jetzt. Und so langsam merke ich wie die Wut aus meinem Bauch durch meine Kehle direkt in mein Sprachzentrum kriecht, ohne auch nur meine Vernunftzentrale zu streifen. „Wer bin ich, dass ich wissen muss wo sich deine Socken befinden? Steht auf meiner Stirn Sockenorientierungsorganisator? Und in welchem Ton redest du eigentlich mit mir?“
Nicht, dass Sie meinen, ich rede mit meinem Ehemann, der mich auf robuste Weise an meine hausfraulichen Pflichten erinnert. Nee, würde mein Ehemann in diesem Ton mit mir reden, hätte ich mich schon lange scheiden lassen (was ich letztendlich auch getan habe).
Es ist mein fünfzehnjähriger Sohn David, der mit diesem gewissen paramilitärischen Unterton mit mir kommuniziert. Wobei Kommunizieren wäre vielleicht zu viel gesagt. Es ist eher so, dass er mir von Zeit zu Zeit seine Unzufriedenheit über bestimmte Begebenheiten zuraunt. Eigentlich erwartet er auch keine wirklichen Antworten oder Rechtfertigungen – er will ja nur mal äußern, dass er das Leben scheiße findet.
Aber merkwürdigerweise fühlt man sich doch tatsächlich persönlich angegriffen ob der Tatsache, dass nicht genügend Socken im Schrank vorhanden sind. Was mich, wie in dieser Situation, doch veranlasst mit irgendwelchen Gemeinplätzen zu reagieren.
„Ich bin nicht deine Putz- und Wäschefrau. Wenn du meinst es wird zu wenig gewaschen weißt du ja wo die Waschmaschine steht!“ (Obwohl - da bin ich mir nicht so sicher. Zur Sicherheit erwähne ich es noch einmal.) „Das ist das klobige Ding rechts neben dem Klo!“
„Du bist die Mutter und deshalb für die Wäsche zuständig.“
Da hat man seit seinem fünfzehnten Lebensjahr in der Emanzipationsbewegung mitgemacht und sich ein Poster von Alice Schwarzer über seinem Schreibtisch gehängt – und dann DAS! Hätte man mir das vor fünfundzwanzig Jahren prophezeit – ich hätte wahrscheinlich ein Lachkrampf bekommen. Damals habe ich noch davon geträumt zwölf Kinder zu haben. Jedes dieser Dutzend Kinder hilft in unserer familiären Kommune mit Einsicht und Spaß mit. Die Kinder erziehen sich gegenseitig – sozusagen von selbst- zu eigenständige, verantwortungsbewusste und hilfsbereite Wesen.
Tja, das Dutzend ist auf ein Kind zusammengeschrumpft – und mal ehrlich, wie will sich ein Kind gegenseitig erziehen? Also so gesehen, kann mein über alles geliebter David ja eigentlich gar nichts dafür, dass er ein verwöhnter, unselbständiger Teenager geworden ist – ich natürlich auch nicht!!!

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